Wer sind die Waldenser?

 

Die Bezeichnung „Waldenser“ leitet sich vom Namen des Lyoner Kaufmanns WALDES (lateinisch: Valdesius, später auch mit dem Vornamen Petrus) ab, der um das Jahr 1170 eine vorreformatorische Laienbewegung gegründet hat. Nach intensivem Bibelstudium hatte dieser mit dem Alleinanspruch sowie mit Lehren der katholischen Kirche gebrochen, die mit der Bibel nicht in Einklang standen. Die Reaktion ließ nicht lange auf sich warten, und so denunzierten katholische Polemiker die Anhänger des Valdesius als „Valdenses“, womit sie Leute meinten, die aus einem finsteren Tal (lateinisch: vallis) stammen. Dass es „Waldenser“ gegeben haben soll, die bereits seit den Zeiten der Apostel als „Valdenses“ in ihren „Tälern“ gewohnt hätten und dort immer dem Evangelium treu geblieben seien, wie es in einiger Literatur zu finden ist, lässt sich in dieser Bedeutung für die Jahrhunderte vor Waldes nicht belegen.

Auf dieser Wiese im piemontesischen Angrognatal wurde der Anschluss der Waldenser an die Reformation vollzogen

 

Um das Evangelium in seiner Urform auch den einfachen Leuten zugänglich zu machen, ließ Waldes Teile der Bibel aus dem Lateinischen in die südfranzösische Volkssprache Okzitanisch übersetzen. So fand er rasch Anhänger, die wie er als arme Wanderprediger von Almosen lebten und das Evangelium ohne kirchliche Erlaubnis nach ihrem Verständnis verkündeten. Damit stellten sie jedoch die Autorität der Römischen Kirche infrage, was über Jahrhunderte zur gnadenlosen Verfolgung der Waldenser mit fürchterlichen Massakern führte.

 

Aber trotz ihrer Verurteilung als Ketzer breitete sich die Waldenserbewegung bald über ganz West- und Mitteleuropa aus, bis sie schließlich von der Inquisition weitgehend unterdrückt wurde. Nur in einigen Hochtälern der über 3000 Meter hohen Cottischen Alpen, im Grenzgebiet zwischen Frankreich und Savoyen-Piemont, konnten sich die Waldenser trotz blutiger Verfolgungen behaupten. Ihren Glauben übten sie, ohne kirchlich organisiert zu sein, nur im Geheimen und in kleinen Kreisen aus. Als jedoch die Kunde von der Reformation in Deutschland und der Schweiz das Piemont erreichte, schlossen sich die Waldenser im Jahr 1532 der Genfer Reformation an, sodass sie sich von nun an in Bekenntnis, Frömmigkeit und Kirchenordnung der reformierten Kirche calvinistischer Prägung anglichen.


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Dr. Walter Mittmann (2. Vorsitzender)

 

Foto: Geschichtskreis Dornholzhausen